Kosten und Nutzen?

Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen
Die Kalkulation der Kosten-Nutzen-Relation beruht auf längst überholten Zahlen. Investitionskosten werden inzwischen auf über 40 Mio.  (Stand 2015) statt auf 30,5 Mio.  (Stand 2010) geschätzt.
Zum Vergleich: Der Bahnhofsneubau in Münster ist mit 37 Mio. veranschlagt.
Aktualisiert wurde die Kosten-Nutzen-Kalkulation bisher nicht! Die Planungsunterlagen finden Sie unter Links.

Nach Auskunft verschiedener Lokalpolitiker und auch des Zweckverbandes SPNV Münsterland wurde die geplante Reaktivierung zwischenzeitlich (im Dezember 2016) beim Land NRW als Vorschlag eingereicht, um als priorisiertes Verkehrsprojekt in den ÖPNV-Bedarfsplan 2017 aufgenommen zu werden. Projekte über 5 Mio € Investitionskosten werden nur dann vom Land finanziert, wenn sie in den neuen Landesbedarfsplan aufgenommen werden.
Eine verbindliche Auskunft, ob das bisherige 2010er Gutachten Grundlage der Vorlage an das Land ist oder ob – wie vielfach behauptet, aber nicht belegt – ein aktualisiertes Konzept vorgelegt wurde, war bislang nicht erhältlich.

Die bisherige Machbarkeitsstudie (Spiekermann-Gutachten 2010) lässt jedenfalls erhebliche Zweifel an einem volkswirtschaftlichen Nutzen aufkommen, weil dort nicht nachvollziehbare Unterstellungen vorgenommen wurden:

  • Geschätzte Fahrgastzahlen von 6.260 / Tag beruhen auf der Voraussetzung, dass die Buslinien 8, R32 und S30 eingestellt werden und die bisherigen Busnutzer auf die Bahn umsteigen sowie 920 neue Fahrgäste hinzugewonnen werden. Das ist angesichts der schlechten Anbindung der Wohnsiedlungen an die Haltepunkte unrealistisch.
  • Zugunsten der Bahn wurde eine Einsparung von 17.000 km Fahrten mit privaten PKW pro Tag in die Waagschale geworfen – einschließlich Einsparung von Unfallkosten und Abgasen. Woher aber sollen diese Einsparungen kommen?
  • Eine nennenswerte Zahl von Umsteigern vom Auto auf die Bahn ist mangels Parkplätzen an den Haltepunkten nicht anzunehmen

Unter Berücksichtigung der aktuellen Kostenschätzungen und realistischer Fahrgastzahlen steht der finanzielle Aufwand in keinem ausgewogenen Verhältnis zu den Kosten. Das darf nicht sein!

Bahnbetrieb dreimal so teuer wie Busse
Laut einem aktuellen Gutachten, das der Enquetekommission im Landtag NRW zur Zukunft des ÖPNV vorgelegt wurde, kostet der laufende Betrieb von Nahverkehrsbahnen wegen der hohen Infrastrukturkosten dreimal soviel wie der Betrieb von Innenstadtbussen. Daher ist der Trend eher umgekehrt: Schnellbusse werden statt Nahverkehrsbahnen eingesetzt.

Bahn und Bus in Konkurrenz
Weicht man von der ursprünglichen Planung ab und behält die Buslinie 8 bei, verschlechtert sich die Kosten-Nutzen-Bilanz weiter, weil dann die Fahrgastzahlen der Bahn auf einen Bruchteil reduziert sind.

Gibt es Grenzen für Kosten?
Jedes öffentliche Verkehrsprojekt muss einen volkswirtschaftlichen Nutzen nachweisen, der im Verhältnis zu den Kosten steht – schließlich geht es um Steuergelder!
Minimum ist deshalb ein Kosten-Nutzen-Faktor von 1,0 – bei Unterschreitung dieses Werts ist das Projekt nicht ausgewogen. So war das bei den Plänen zur Reaktivierung der WLE-Strecke von Münster bis Beckum (Wert 0,5). Für die Strecke Münster-Sendenhorst wurde 2010 ein Wert von 1,15 errechnet, also knapp über der Schwelle. Allerdings ging man da noch von 30,5 Mio Investitionen und 6.260 Fahrgästen aus. Unter Zugrundelegung der neueren Kostenschätzung und einer deutlich nach unten zu korrigierenden Fahrgastzahl würde der Wert von 1,0 nicht mehr erreicht werden. Demnach dürfte das Projekt nicht mit öffentlichen Mitteln gefördert werden!