Einstellung der Buslinien 8, S30 und R32

Ganze Siedlungen werden vom ÖPNV abgehängt
Laut Planungsunterlagen nutzen täglich 5050 Fahrgäste die Linie 8 zwischen Bahnhof und Wolbeck. Planungsstand und Kalkulation der Reaktivierung gehen von einer Einstellung der Buslinie 8 aus.
Die 8 bedient bis zum Hauptbahnhof 27 Haltepunkte, die Bahn nur 5 (Haltepunkte WLE). Damit werden weite Teile der Siedlungen von einer akzeptablen Anbindung an den ÖPNV abgeschnitten. Gerade für ältere oder kranke Mitbürger sind Wege von teilweise über 1000m bis zum Haltepunkt völlig unzumutbar. Vermutlich werden dann künftig mehr Bürger auf das Auto zugreifen (müssen) – genau das Gegenteil dessen, was eigentlich erreicht werden sollte.
Zumutbar und akzeptabel sind Wege von 300m bis zum Haltepunkt. Welcher Umkreis das konkret ist, können Sie auf den nachfolgenden Kartenausschnitten sehen:

300m-Radius um Haltepunkt Gremmendorf

300m-Radius um Haltepunkt Angelmodde

300m-Radius um Haltepunkt Wolbeck

300m-Radius um Haltepunkt Sendenhorst

300m-Radius um Haltepunkt Albersloh

Die Strecke führt nur bis zum Hauptbahnhof. Umsteigen bitte!
Wer ein anderes Ziel hat, muss dort wieder in den Bus umsteigen, was Fahrzeiten gegenüber heute verlängert. Eine Durchführung bis zum Zentrum-Nord ist wegen der Auslastung der Strecke durch DB und Westfalen-Bahn kaum realisierbar.
Bei Aufrechterhaltung der Buslinie 8 in Konkurrenz zur Bahn wird die Bahn nicht ausgelastet sein – die Kosten-Nutzen-Relation wäre völlig außer Verhältnis.

Linie 8 als Zubringerbus = null Einsparung!
Bereits im Jahr 2000 untersuchten die Stadtwerke Münster drei Anpassungsmöglichkeiten der Buslinie 8 für ein integriertes Bus-Schiene-Konzept. Bei allen drei Varianten wird der durchgehende Betrieb der Buslinie 8 zwischen Gremmendorf und  Wolbeck „gebrochen“, um einen Umstieg  auf die WLE zu erzwingen. Dazu soll ein Kleinbus im 60-Minuten-Takt zwischen Wolbeck und dem WLE-Haltepunkt in Gremmendorf pendeln.
Damals wurde ermittelt, dass die jährlichen Kosten von zwei Gelenkbussen (damals 800.000 DM) eingespart werden. Demgegenüber stehen die Kosten für zwei Kleinbusse, die genauso teuer sind (ebenfalls 800.000 DM). Die Kleinbusse fahren zwar nur im 60-Minuten-Takt, jedoch ist die gebrochene Linienführung nun suboptimal, so dass man genauso viele Fahrzeuge braucht wie bei einem Beibehalt des 20-Minuten-Taktes. Es ergibt sich damit kein Kostenvorteil.
Die Stadtwerke wiesen damals auch darauf hin, dass ihnen ein Defizit entsteht, wenn sie weniger Kilometer bedienen und gefördert bekommen. Ferner müssen die Fahrgeldeinnahmen bei Umsteigern nun mit der WLE „geteilt“werden. Damals ging man von Fahrgeldeinnahmen auf dem Südast der Linie 8 von jährlich 1,7 Mio. DM aus.

Fazit: Ein angepasstes Busnetz ist genauso teuer wie der Erhalt der Linie 8 im 20-Minuten-Takt. Ohne Einstellung der Linie 8 lässt sich die Reaktivierung der WLE volkswirtschaftlich nicht darstellen.

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Die Lokalpolitik versucht sich mittlerweile von einer Einstellung der Buslinie 8 zu distanzieren, wenngleich dies weiterhin die verbindliche Beschlusslage des Stadtrates Münster ist (Reaktivierung auf Basis des Spiekermann-Gutachtens).

Im Anschluss an unsere Podiumsdiskussion (September 2016) ließ die CDU Angelmodde ein Positionspapier verteilen, in dem von  Quartiersbussen zusätzlich zur bisherigen Buslinie 8 die Rede ist, wenn die Reaktivierung der Bahn kommt.
Aber was ist ein Quartiersbus, den es dann geben soll?
Wohin fährt der? Wem bringt das was? Was kostet das?

Wir haben nachgehakt: Der Quartiersbus fährt nur im Quartier, in die Stadt muss man dann mit der Bahn – zweimal Umsteigen inklusive! Millionenausgaben für alten Wein in neuen Schläuchen ohne messbaren Vorteil!

Lesen Sie dazu unseren Flyer vom Herbst 2016 (PDF, 8MB).

Loddenheide nicht allein über WLE zu erschließen
Die Untersuchung aus 2000 der Stadtwerke hielt die WLE nicht für geeignet, das Gewerbegebiet Loddenheide  allein zu erschließen. Grund sei die „Ausschleifung“ der WLE aus dem Albersloher Weg, so dass ein ergänzendes Busangebot mit geringeren Haltepunkt-Abständen mit Führung über den Albersloher Weg bis in den Altstadtbereich als unerlässlich angesehen wurde.

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S30 und R32 werden eingestellt
Der Betrieb der stündlichen Schnellbuslinie S30 wird zwischen Sendenhorst und Münster Hbf. eingestellt. Die S30 bedient 17 Haltepunkte, wohingegen die WLE bei vergleichbarer Linienführung nur 6 Haltepunkte bedient (Wolbeck und Angelmodde  ausgeklammert).

Die stündliche Regiobuslinie R32 wird zwischen Sendenhorst und Wolbeck ebenfalls eingestellt. Damit verschlechtert sich die Flächenerschließung  deutlich; 17 Bushaltestellen stehen 3 WLE-Haltepunkte gegenüber.

Taxibus soll Lücken schließen
Zwischen Sendenhorst und Albersloh sowie zwischen Albersloh und Angelmodde bzw. Wolbeck soll die Erschließung der Bauerschaften durch ein TaxiBus-Angebot im 120-Minuten-Takt erfolgen. Ein Taxibus muss heute bei der RVM telefonisch oder über das Internet teilweise am Vortag bis 20 Uhr angefordert werden, mindestens aber 30 Minuten vor der Fahrt. Anders als bei den bestehenden Linienbussen gibt es bei einem Taxibus-Angebot keine gesetzliche Verpflichtung, dieses barrierefrei auszugestalten.

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Schlechtere Erschließung und kaum Einsparpotential
Die RVM analysierten die Anpassungen der Buslinien S30 und R32 bereits 1999 und wiesen darauf hin, dass viele Sendenhorster aufgrund der dezentralen Lage des Bahnalterpunktes längere Anfahrtszeiten bzw. Fußwege und damit eine schlechtere Anbindung haben werden. Die Busse dagegen werden durch die Siedlungsschwerpunkte geführt.

Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die Reduzierung des Busnetzes auf eine Zu- und Abbringerfunktion zur WLE den Kostendeckungsgrad senkt, da nun weniger Menschen den Bus nutzen, so dass im Ergebnis kaum Einsparungen durch die Einstellung der Buslinien generiert werden können.

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Aus 61 Bushaltepunkten werden 8 Haltepunkte der WLE

Die Anzahl der Haltepunkte auf der gesamten Strecke Sendenhorst-Münster wird von 61 auf acht reduziert – eine immense Verschlechterung des Angebots für viele Pendler!
Die beiden folgenden Kartenausschnitte zeigen am Beispiel Münster-Südost, wie gut die Abdeckung durch das Busnetz  ist (blaue Kreise, 300m Radius) und wie die Abdeckung durch die Bahn ausfällt (rote Kreise, ebenfalls 300m-Radien):


 
 

Haltepunkt-Übersicht aufklappen

Haltepunkte WLE Haltepunkte Buslinie S30 Haltepunkte Buslinie R32 Haltepunkte Buslinie 8
Sendenhorst Sendenhorst, Waldmutter
Sendenhorst, Herkulesweg
Sendenhorst, Osttor Sendenhorst, Osttor
Sendenhorst, Lambertiplatz Sendenhorst, Lambertiplatz
Sendenhorst, Rathaus Sendenhorst, Rathaus
Sendenhorst, Krankenhaus Sendenhorst, Krankenhaus
Sendenhorst−Alst, Reiterhof
Sendenhorst−Alst, Sägewerk
Sendenhorst−Alst, Bruns
Albersloh Albersloh, Lüring
Albersloh, Schwalbenweg Albersloh, Schwalbenweg
Albersloh, Bergstr. Albersloh, Teckelschlaut
Albersloh, Adolfshöhe Albersloh, Molkerei
Albersloh, Wolbecker Str. 41
Albersloh, Berl
Wolbeck Wolbeck, Tiergartenheide Wolbeck Nogatstr.
Wolbeck, Juffernkamp Anton-Aulke-Str.
Wolbeck, Drostenhof  Zumbuschstraße
Wolbeck, Sültemeyer Von-Holte-Str.
Wolbeck Markt A
Am Berler Kamp
Wolbeck Schulzentrum
Angelmodde Twenhövenweg
Haus Angelmodde
Angelmodde Kirche
Homannstraße
Am Hohen Ufer
Agathastr.
Gremmendorf Altehof
Pirolweg
Gremmendorf, Pommernstr. Gremmendorf Ehrenmal
Gremmendorf, Gremmend. Weg Gremmendorfer Weg
Erbdrostenweg
Loddenheide Heumannsweg
Münster, Willy−Brandt−Weg A (nur Ausstieg) Willy-Brandt-Weg
Münster, Loddenheide (nur Ausstieg) Loddenheide / Beresa
 P+R Nieberdingstr.
Halle Münsterland Münster, MCC Halle Münsterland B (nur Ausstieg) MCC Halle Münsterland
Münster, Stadtwerke/Hafen B (nur Ausstieg) Stadtwerke A/Hafen
Hansaring B
Münster Hauptbahnhof Münster, Von−Steuben−Str. B (nur Ausstieg) Von-Steuben-Str.
Münster, Hbf A Hauptbahnhof B2

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